Oberschlesien und sein kulturelles Erbe -
- Erinnerungspolitische Befunde, bildungspolitische
Impulse und didaktische Innovationen

Sand für einen Kanarienvogel
Kommt ein Mann auf einem Fahrrad an einen Grenzübergang. Auf dem Fahrrad hat er einen Sack voll Sand. Als die Zollbeamten ihn fragen, was in dem Sack sei, meint er: „Sand für meinen Kanarienvogel“. Diese Situation wiederholt sich mehrmals, bis die Zollbeamten eines Tages den Mann erneut fragen: „Sag uns die Wahrheit, da ist doch was faul an der Sache“. Der Mann mit dem Fahrrad antwortet: „Ich sage euch die Wahrheit, aber nur, wenn ihr mich auch in Zukunft ungestört über die Grenze lasst“. „Gut“, sagen die Beamten. „Euch haben immer nur die Säcke mit dem Sand interessiert, aber nie meine Fahrräder. Dabei habe ich jedes Mal ein neues Fahrrad geschmuggelt“.

 

Grenzüberschreitende Avancen
Ludwik Bielaczek lebte in Tworkau und hatte eine Braut im nahen Groß Gorschütz. Unglücklicherweise fand dies jedoch in der Zeit statt, in der der Konflikt um Oberschlesien entflammte. „Nachdem Polen am 29. Juni 1922 das von den Aufständischen erkämpfte Gebiet übernommen hatte und das rechts der Oder gelegene Groß Gorschütz an Polen angeschlossen worden war, waren die Besuche bei meiner Liebsten mit nicht geringen Schwierigkeiten verbunden, denn mein Land und meine Liebe wurden nun mit einer Grenze geteilt. Seitdem musste ich immer einen Grenzausweis bei mir tragen, um in dieses andere Land zu kommen, und mein Fahrrad auf der deutschen Seite der Brücke lassen. Weiter musste ich zu Fuß laufen. Meine Gefühle wurden durch diesen Umstand jedoch nicht abgeschwächt; sie tobten in meinem Herzen wie ein unlöschbares Feuer”.
(L. Bielaczek, Milowe kamienie, Opole 1975).

 

Schlafende Soldaten
In den 20er und 30er Jahren kam es vor, dass volluniformierte polnische Soldaten auf dem Weg zu ihren Regimenten in Zügen einschliefen, an polnischen Grenzstationen vorbeifuhren und... auf diese Weise nach Deutschland kamen. Die Rückführung der Soldaten nach Polen war nicht nur mit vielen formellen Schwierigkeiten verbunden, sondern für sie auch, u.a. wegen Verhören unangenehm. Die Kattowitzer Direktion der Polnischen Staatsbahn PKP forderte daher die Schaffner auf, schlafende Soldaten zu wecken.

 

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