Oberschlesien und sein kulturelles Erbe -
- Erinnerungspolitische Befunde, bildungspolitische
Impulse und didaktische Innovationen

Im Rahmen einer Volksabstimmung oder eines Plebiszits sollen Einwohner eines bestimmten Gebietes über dessen staatliche Zugehörigkeit entscheiden. Das erste Plebiszit der Neuzeit fand 1791 statt. Seine Folge war der Anschluss der Stadt Avignon und der Grafschaft Venaissin an Frankreich.

Nach dem Ersten Weltkrieg sah der Versailler Vertrag mehrere Volksabstimmungen vor, u.a. in Schleswig, Kärnten, Ödenburg, Ermland und Masuren. 1920 stimmten im bisher deutschen Schleswig der 25% der Einwohner für den Verbleib beim Reich, knapp 75% sprachen sich dagegen für die Zugehörigkeit zu Dänemark aus. Infolgedessen wurde die Region geteilt. Die Einwohner des österreichischen, aber mehrheitlich von slowenischsprachiger Bevölkerung bewohnten Kärnten hatten zu entscheiden, ob sie weiterhin von Wien aus regiert oder zum neuerstandenen Staat der Serben, Kroaten und Slowenen, dem späteren Jugoslawien, gehörten sollten. Knapp 60% der Kärntner optierten für Österreich. Auch diese Region wurde daraufhin geteilt.

Im Osten Deutschlands fand neben Oberschlesien auch in Ostpreußen (Ermland und Masuren) eine Volksabstimmung statt. In einem Gebiet, das zu ca. 40% von polnischsprachiger Bevölkerung bewohnt war (ihre Umgangssprache war ein polnisch-masurischer Dialekt) sprachen sich mehr als 92% der Abstimmungsberechtigten für den Verbleib bei Deutschland aus. Damit verblieb die gesamte Region – bis auf sechs Ortschaften – beim Deutschen Reich.

Auch heute wird im Rahmen von Volksabstimmungen, bzw. Referenden über die staatliche Zugehörigkeit entschieden. Beispielsweise sprachen sich 99,6% der Bewohner der unweit der argentinischen Küste gelegenen britischen Falklandinseln für den Verbleib bei Großbritannien aus.

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